VCS Verkehrs-Club der Schweiz

Sektion Schaffhausen
VCS / ATE / ATA

Keine Planspiele am Rhein !

Periodisch kommt es zu Bedrohungen der Natur- und Kulturlandschaft entlang des Rheins. Stets gingen sie von wirtschaftlich motivierten Kreisen aus, die uns von Notwendigkeit und Vorteil für das Wohlergehen unserer Region überzeugen wollten.

Abgesehen vom Kraftwerk Rheinau endeten alle Projekte im Sinne der «Verhinderer».

Stets hat es sich hinterher als gut und richtig erwiesen, das Naturkapital «Landschaft» bewahrt anstatt zerstört zu haben!

Stichworte:

  • Hochrheinschifffahrt mit diversen Staustufen und Schleusen, auch im Rheinfallbereich
  • Regulierwehr Rheinklingen/Hemishofen
  • AKW Rheinklingen
  • Schaarenautobahn E70

Doch nun stehen neue Bedrohungen bevor:

Die Südostumfahrung Schaffhausens durch die Autobahn A4/A81, in der übergeordneten europäischen Planung auch E41 genannt!

Auslöser der gegenwärtigen Planungshektik: Der bevorstehende vierspurige A4-Ausbau, der die Schaffhauser Stadttangente zum Flaschenhals degradiert. Jahrelang war die A4 zwischen Schaffhausen und Winterthur als «Todesstrecke» verrufen. Das förderte zweifellos den Ausbaubeschluss. Doch kaum war dieser gefallen, wusste man im Kanton Zürich, mit welchen baulichen Massnahmen das Unfallgeschehen zu beeinflussen sei und setzte sie zügig um. Weshalb nicht schon früher?

Doch für Schaffhausen stellte sich nun die Frage: Wohin dereinst, mit dem herbeigeplanten Mehrverkehr? Man kann nicht behaupten, der Vierspurausbau der A4 sei Schaffhausen vor die Tür geknallt worden. Es gibt Kräfte genug, die ihn herbeigeredet haben. Im Wissen um die Folgen wurde bereits im Vernehmlassungsentwurf zur Richtplanung 2004 eine Südostumfahrung Schaffhausens ins Spiel gebracht, als Vororientierung bezeichnet und im Übersichtsplan vorerst nur angedeutet durch eine gerade gestrichelte Linie zwischen den Räumen Jestetten–Uhwiesen–Schaaren. Das Benkener Kreuz wurde dadurch zwar nicht favorisiert, aber auch nicht ausgeschlossen. Durch eine solche Verbindung hätte die Hochrheinautobahn A98/E54 im Grenzraum Jestetten abgenommen, im Weinland mit der A4/E41 verknüpft und bei Bietingen an die A81 angeschlossen werden sollen. Hierbei wäre der Rhein im Schaaren wohl bei jener geschichtsträchtigen Stelle überquert worden, die seit dem Jahr 1799 bereits «Bruggechopf» heisst.

Doch diesem Ansinnen erwuchs im Weinland harsche Ablehnung.

Probleme lösen mit ihren eigenen Ursachen?

Also plante man in Schaffhausen weiter und ist nun im Begriff, ein Problem mit genau jenen Mitteln und Ursachen lösen zu wollen, die das Problem zuvor erschaffen haben. Gleiches mit Gleichem. Eine fast homöopathische Strategie – oder auch nur Fatalismus. Seit Februar 2005 werden der Öffentlichkeit nun scheibchenweise fünf – vorerst unverbindliche – Strassenvarianten angepriesen, deren vier im Raum Uhwiesen/Schaffhausen/Büsingen/Dörflingen über und sogar unter dem Rhein – eventuell durch die Grundwasserströme –, verlaufen würden. Sie alle haben eindeutigen Widerstand bei einem grossen Teil der Bevölkerung, bei Parteien, Stadt, Gemeinden (auch den deutschen) ausgelöst. Kaum jemand will auch nur annähernd eine Wiederauflage der bereits 1973 heftig bekämpften Autobahn E70 durch die mehrfach geschützte Rheinlandschaft.

Falls mit solchen Planspielen auch ein Stimmungstest erzielt werden sollte, so ist er eindeutig ausgefallen.

Breit abgestützter Widerstand ist angesagt. Die «Aktion Rhy» lässt grüssen!

Zweite Stadttangente? Betonorgie als Perspektive?

Bleibt also noch die Erweiterung der Stadttangente mittels eines zweiten Cholfirst-/Fäsenstaubtunnels durch die Areale Güterbahnhof–Fulachtal (und wie weiter?) samt allen Anschlussbauwerken, vorab am Rheinübergang. Man darf sich diese Betonorgie im Schnittpunkt Nord-Süd/West-Ost und die Auswirkungen auf das lokale Strassennetz ruhig einmal vorstellen:

Zum jetzigen Zustand noch eine dritte Rheinbrücke und von Westen her noch der Autobahnanschluss «Galgenbuck». Und alles will unter sich und mit der Mühlen- und Schaffhauserstrasse neu verknüpft werden:

Ein Kreuz!

A98 ante portas !

Beiseite geschoben wird in diesem Zusammenhang die Weiterführung der Hochrheinautobahn A98/E54 ab Lauchringen. Wohl um den Autobahnanschluss «Galgenbuck» nicht als Vorschussbauwerk für die A98 erscheinen zu lassen, wird in einer Medienmitteilung der Baudirektionen der Kantone Schaffhausen, Thurgau und Zürich vom 8.7.05 betont, die einst angedachte Fortsetzung der A98 via Weinland oder Klettgau sei «weder nötig noch ökologisch vertretbar» und sie könne «als langfristige Option durch das Wutachtal realisiert werden.» –

Zu schön und zu einfach, um wahr zu sein!