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Schaffhauser Strassenvisionen:
A98 / E54  und  A4 / E41


von Hugo Mahler, ÜSI MEINIG, September 2005

Keine Planspiele
am Rhein !


Periodisch kommt es zu Bedrohungen der Natur- und Kulturlandschaft entlang des Rheins. Stets gingen sie von wirtschaftlich motivierten Kreisen aus, die uns von Notwendigkeit und Vorteil für das Wohlergehen unserer Region überzeugen wollten.
Abgesehen vom Kraftwerk Rheinau endeten alle Projekte im Sinne der «Verhinderer».

Stets hat es sich hinterher als gut und richtig erwiesen, das Naturkapital «Landschaft» bewahrt anstatt zerstört zu haben!

Stichworte:

•  Hochrheinschifffahrt mit diversen Staustufen und Schleusen, auch im Rheinfallbereich
•  Regulierwehr Rheinklingen/Hemishofen
•  AKW Rheinklingen
•  Schaarenautobahn E70


Doch nun stehen neue Bedrohungen bevor:
Die Südostumfahrung Schaffhausens durch die Autobahn A4/A81, in der übergeordneten europäischen Planung auch E41 genannt!


Auslöser der gegenwärtigen Planungshektik: Der bevorstehende vierspurige A4-Ausbau, der die Schaffhauser Stadttangente zum Flaschenhals degradiert. Jahrelang war die A4 zwischen Schaffhausen und Winterthur als «Todesstrecke» verrufen. Das förderte zweifellos den Ausbaubeschluss. Doch kaum war dieser gefallen, wusste man im Kanton Zürich, mit welchen baulichen Massnahmen das Unfallgeschehen zu beeinflussen sei und setzte sie zügig um. Weshalb nicht schon früher?

Doch für Schaffhausen stellte sich nun die Frage: Wohin dereinst, mit dem herbeigeplanten Mehrverkehr? Man kann nicht behaupten, der Vierspurausbau der A4 sei Schaffhausen vor die Tür geknallt worden. Es gibt Kräfte genug, die ihn herbeigeredet haben. Im Wissen um die Folgen wurde bereits im Vernehmlassungsentwurf zur Richtplanung 2004 eine Südostumfahrung Schaffhausens ins Spiel gebracht, als Vororientierung bezeichnet und im Übersichtsplan vorerst nur angedeutet durch eine gerade gestrichelte Linie zwischen den Räumen Jestetten–Uhwiesen–Schaaren. Das Benkener Kreuz wurde dadurch zwar nicht favorisiert, aber auch nicht ausgeschlossen. Durch eine solche Verbindung hätte die Hochrheinautobahn A98/E54 im Grenzraum Jestetten abgenommen, im Weinland mit der A4/E41 verknüpft und bei Bietingen an die A81 angeschlossen werden sollen. Hierbei wäre der Rhein im Schaaren wohl bei jener geschichtsträchtigen Stelle überquert worden, die seit dem Jahr 1799 bereits «Bruggechopf» heisst.
Doch diesem Ansinnen erwuchs im Weinland harsche Ablehnung.


Probleme lösen
mit ihren eigenen Ursachen?

Also plante man in Schaffhausen weiter und ist nun im Begriff, ein Problem mit genau jenen Mitteln und Ursachen lösen zu wollen, die das Problem zuvor erschaffen haben. Gleiches mit Gleichem. Eine fast homöopathische Strategie – oder auch nur Fatalismus. Seit Februar 2005 werden der Öffentlichkeit nun scheibchenweise fünf – vorerst unverbindliche – Strassenvarianten angepriesen, deren vier im Raum Uhwiesen/Schaffhausen/Büsingen/Dörflingen über und sogar unter dem Rhein – eventuell durch die Grundwasserströme –, verlaufen würden. Sie alle haben eindeutigen Widerstand bei einem grossen Teil der Bevölkerung, bei Parteien, Stadt, Gemeinden (auch den deutschen) ausgelöst. Kaum jemand will auch nur annähernd eine Wiederauflage der bereits 1973 heftig bekämpften Autobahn E70 durch die mehrfach geschützte Rheinlandschaft.

Falls mit solchen Planspielen auch ein Stimmungstest erzielt werden sollte, so ist er eindeutig ausgefallen.
Breit abgestützter Widerstand ist angesagt. Die «Aktion Rhy» lässt grüssen!


Zweite Stadttangente?  Betonorgie als Perspektive?

Bleibt also noch die Erweiterung der Stadttangente mittels eines zweiten Cholfirst-/Fäsenstaubtunnels durch die Areale Güterbahnhof–Fulachtal (und wie weiter?) samt allen Anschlussbauwerken, vorab am Rheinübergang. Man darf sich diese Betonorgie im Schnittpunkt Nord-Süd/West-Ost und die Auswirkungen auf das lokale Strassennetz ruhig einmal vorstellen:

Zum jetzigen Zustand noch eine dritte Rheinbrücke und von Westen her noch der Autobahnanschluss «Galgenbuck». Und alles will unter sich und mit der Mühlen- und Schaffhauserstrasse neu verknüpft werden:
Ein Kreuz!


A98 ante portas !

Beiseite geschoben wird in diesem Zusammenhang die Weiterführung der Hochrheinautobahn A98/E54 ab Lauchringen. Wohl um den Autobahnanschluss «Galgenbuck» nicht als Vorschussbauwerk für die A98 erscheinen zu lassen, wird in einer Medienmitteilung der Baudirektionen der Kantone Schaffhausen, Thurgau und Zürich vom 8.7.05 betont, die einst angedachte Fortsetzung der A98 via Weinland oder Klettgau sei «weder nötig noch ökologisch vertretbar» und sie könne «als langfristige Option durch das Wutachtal realisiert werden.» –

Zu schön und zu einfach, um wahr zu sein!

 


Die nebenstehende Skizze zeigt auch
die empfohlene «Bestvariante»
:

Ausbau einer topografisch anspruchsvollen Verbindung ab Lauchringen bis zur A81 bei Geisingen (zwischen Baar und Hegau gelegen) über die bestehende B314, mit einem ca. 5 km langen Randendurchstich ab Epfenhofen mitten ins Aitrachtal (698 m), nördlich von Blumberg, in dessen Riedgebieten sich die Trinkwasserfassungen dieser Stadt und anderer Gemeinden befinden.

Also ebenso wenig «ökologisch vertretbar», wie eine Autobahn über den Grundwasserströmen des Klettgau !

Jedoch der deutsche Bundesverkehrswegeplan vom 1. März 2005 enthält einen solchen Umweg nicht; weder unter dem Begriff «Weiterer Bedarf» und schon gar nicht unter «Vordringlicher Bedarf».– Nur die Umfahrung von Grimmelshofen durch einen neuen B314-Abschnitt mit einer Länge von 1,5 km ist unter «Vordringlicher Bedarf» eingetragen.





Was hingegen der schweizerische «Entwurf Sachplan Strasse» vom September 2002 (noch immer) enthält, ist der Anschluss der A98/E54 bei Trasadingen (folgende Skizze). Fakt ist ferner die Aufklassierung der Klettgauer Strasse (T13) ins Nationalstrassennetz!
Doch dazu hat man keine Einwände aus dem offiziellen Schaffhausen vernommen ...

 

 

Hochrheinautobahn A98  (Europastrasse 54) 1)
Aus Vernehmlassungsentwurf UVEK,Sachplan Strasse, September 2002, Abbildung 20 (Ausschnitt), Seite 80 ff.
Zugedachte Funktionen:
  • Verbinden der Schweiz mit dem Ausland
  • Verbinden Grenzregionen
  • Erschliessen von Kantonshauptorten
  • Sammeln des regionalen Verkehrs etc. ...
Dem Grundnetz zugerechnet.

Legende:
  • Gestreckte Linie: Erfüllt Kriterien
  • Gestrichelt: Sinnvolles zusätzliches Element
  • Kurzgestrichelt: Erfüllt Kriterien (ausländ.
    Netzelement)
Verweis auf Trasadingen: Ergänzung durch VCS.

1)  E54: Paris–Belfort–Mulhouse–Lörrach–Schaffhausen–
Singen–Lindau–München.


Die Konsequenz:

«Nach den Vorgaben von NFA soll allerdings das Nationalstrassennetz in die alleinige Kompetenz des Bundes übergehen, und zwar sowohl was die Finanzierung als auch was die Aufgabenerfüllung angeht.» (!)

So abschliessend die bundesrätliche Antwort vom 25. Februar 2004 an Nationalrat Hans-Jürg Fehr auf seine diesbezügliche Anfrage vom 03.1135 vom 1. Dezember 2003.
Die abschliessende Inkraftsetzung des Neuen Finanzausgleichs (NFA) ist auf das Jahr 2008 geplant.


Das Kreuz Schaffhausens

Angenommen, der Verkehrsknoten im Bereich des A4-Rheinübergangs würde wie oben beschrieben «optimiert»: Dann würden – dank des Autobahnanschlusses «Galgenbuck» –, die West/Ost-Verkehrsströme ihren Weg durch den Klettgau zum Schaffhauser Kreuz und umgekehrt auch dann finden, wenn die A98 bei Trasadingen (noch) nicht abgenommen wäre. Und wieder würde man das herbeigeplante Problem mit den gleichen Mitteln lösen wollen, mit denen es zuvor verursacht wurde.

Kulturland zum Zerbauen haben wir ja im Überfluss – Nachhaltigkeit hin oder her ...

Da sich Planungen – wenn überhaupt –, dann über längere Zeiträume erstrecken, könnte inzwischen der Markt noch einiges richten. – Der Erdölmarkt. Dann wären zwar die Planungskosten verbraten, doch das nicht erneuerbare Naturkapital gerettet!
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2. September 2005

 

Schaffhausen, 8. September 2005

Resolution verabschiedet

Keine neue Strasse über den Rhein

Vor mehr als 30 Jahren setzte sich die Bevölkerung der Kantone Schaffhausen, Thurgau und Zürich vehement und erfolgreich gegen die damals drohende «Schaarenautobahn» E 70 zur Wehr. Das Projekt wurde nicht realisiert, stattdessen entstanden die Stadttangente A4 und die Hemishofer Strassenbrücke. Obwohl vor allem die Stadttangente einwandfrei funktioniert, gibt es jetzt wieder Pläne für eine sogenannte Ostumfahrung, und bereits sind diverse Vorstellungen betreffend einen neuen Rheinübergang im Osten der Stadt Schaffhausen vorhanden.

Gegen diese Pläne, die von den drei Kantonsregierungen ins Spiel gebracht worden sind, regt sich bereits starker Widerstand, vor allem aus den von diesen Projekten betroffenen Gemeinden, deren Behörden und aus der Bevölkerung. Sie alle wollen dem Individualverkehr keine Opfer mehr bringen. Kürzlich fand eine Sitzung von Exponenten aus Schaffhauser Umweltverbänden und Politik statt, die über die aktuelle Entwicklung besorgt sind.

Die Versammlung kam einhellig zum Schluss:

Der Rhein zwischen Schaffhausen und Stein am Rhein darf auf keinen Fall von einer neuen Strasse gequert werden. Zur Diskussion stehen bekanntlich nicht nur Brücken, sondern auch eine Unterquerung des Rheins. Es geht nicht an, dass noch mehr Land, insbesondere in einer solch delikaten Lage wie am Rhein, durch weitere Betonbauten verschandelt wird.

Aus dieser klaren Haltung leitet sich eine zweite Forderung ab:

Der von den drei Kantonen gewünschte Kredit für eine «Planungsstudie zu den fünf Umfahrungsvarianten» ist klar abzulehnen.

Denn bereits mit einer solchen Studie wird ein gefährliches Präjudiz für eine spätere Realisierung einer Rheinquerung geschaffen. Planungen, so die einhellige Meinung des Gremiums, können auch in anderen Richtungen, nämlich Förderung des öffentlichen Verkehrs, Road-Pricing, allenfalls Ausbau bestehender Strassen, gemacht werden. Zudem erübrigt sich derzeit eine solche Studie, da die Stadttangente A4 vorderhand problemlos den anfallenden Verkehr zu schlucken vermag.

Die Unterzeichnenden:

• Sozialdemokratische Partei Schaffhausen SP,
• Ökoliberale Bewegung Schaffhausen ÖBS,
• Evangelische Volkspartei Schaffhausen EVP,
• Alternative Liste Schaffhausen ALS,
• Pro Natura Schaffhausen,
• VCS Sektion Schaffhausen,
• IG-Velo Schaffhausen,
• WWF Sektion Schaffhausen,
• Turdus Schaffhausen,
• Rheinaubund,
• Aktion Rhy,
• Pro Rheinlandschaft Diessenhofen.